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Weihnachtszauber
O Nacht, in der der Heiland
kam Und Gottes Engel sangen, Es hält dein Zauber wundersam
Die ganze Welt gefangen. Heut' klingt der Glocken Festgeläut',
Als käm's aus Himmelsfernen. Die ärmsten Lichtlein gleichen
heut' Den strahlenhellsten Sternen. In jedem Stübchen regt
sich's sacht, Es rauscht auf allen Wegen Geheimnisvoll die ganze
Nacht Von leisen Flügelschlägen . Lebendig wird's im dumpfen
Stall, Die stummen Tiere reden. Ein Gottesfrieden herrscht im All
Wie einst im Garten Eden. Heut' birscht kein Fuchs, kein Raubzeug
fliegt, Der Wolf, des Waldes Schrecken, Ruht, an die Hirschkuh traut
geschmiegt, In warmen Laub verstecken. Gezwerge schweift durch Busch
und Feld, Es reigen Elfenpärchen - Im deutschen Wald erwacht die
Welt Der lieben deutschen Märchen. Doch ist's nur Wenigen
erlaubt, Den Zauber zu erspähen. Denn nur wer fromm an Wunder
glaubt, Der kann auch Wunder sehen. Jetzt fegt das Land von Wundern
leer Der Spott, der Allvernichter, Jetzt schau'n sie nur die Kinder
mehr - Die Kinder und die Dichter. O.Kernstock
Des Königs Weihnacht
Als einst im Marmorsaale in
der Vasallen Kreis Geweilt beim Weihnachtsmahle der königliche
Greis , Rief einer von den Gästen: ,,Ihr Herrn, denkt nach und
nennt Von Euren Weihnachtsfesten das schönste, das Ihr kennt."
,,Die Nacht war's," sprach der eine, ,,da mir - o seliger Traum! - Zum
erstenmal die Meine geschmückt den Lichterbaum." Der pries das
Festgeschmeide der ersten Tanne laut, Auf das in heller Freude sein
jauchzend Kind geschaut. ,,Zuhöchst", gestand ein dritter, ,,ist
mir das Christfest wert, An dem voll Huld zum Ritter mich schlug des
Königs Schwert." So mit beredtem Munde gab jeder Gast ringsum Vom
schönsten Christfest Kunde. Der König nur blieb stumm.
,,Willst Du die Weihnachtsfeier", begann der Kanzellar, ,,Nicht
künden, Herr, die teuer wie keine sonst Dir war?" Die Mettenglocken
klangen - der länderreiche Mann Saß lauschend, traumbefangen;
dann hub er zögernd an: ,,Es war im Jahr des Krieges, des
Unglücks und der Schmach, Als das Juwel des Sieges aus meiner Krone
brach. Die Krone selber wankte auf meinem Königshaupt, Das lecke
Staatsschiff schwankte im Sturme mastberaubt. Die Bösen waren
verschworen, mein gutes Volk verhetzt, Das Spiel - es schien verloren, der
König matt gesetzt. - Mich menschenscheu begrabend im tiefsten
Waldesschoß, Ritt ich am Heiligen Abend nach, Weidlust' auf mein
Schloß. Da traf ich plötzlich mitten im überschneiten
Wald - Ich war wohl irr geritten - ein Kirchlein grau und alt. Umsaust
von weißen Flöckchen stand's mutterseelenallein; Es lud ein
heis'res Glöckchen zum Amt der Mette ein. Ich stieg von meinem
Schecken und trat durch das Portal. Verwittert waren die Decken, die
Wände feucht und kahl; Von Stümperhand gezimmert sah ich ein
Kripplein steh'n, Verstaubt und halb zertrümmert, wie ich noch keins
geseh'n. Und in dem morschen Spindlein lag hüllenlos und
bleich Das ärmste Jesuskindlein in meinem Königreich. Es
fiel auf seine Glieder der Ampel flackernd' Licht - Mir war, als hüb's
die Lider und säh' mir ins Gesicht Mit Augen wie zwei Sonnen und
spräche: Hör' mir zu! Auch ich trug stolze Kronen, viel stolzere
als du. Der Macht bin ich enteignet, mein Herrscherstab zerbrach,
Mein Volk hat mich verleugnet, die Hasser stell'n mir nach. Steh'
still, steh' still ein wenig und hab' der Mahnung acht: Die Macht ist's
nicht, o König, die einen König macht! Im Unglück, in der
Blöße, besiegt, verfolgt, verschmäht, Zeigt sich die wahre
Größe der echten Majestät. So hat das Kind geredet.
Ich stürzte auf die Knie Und hab zu Gott gebetet so brünstig wie
noch nie. Es sprudelten die Quellen der Tränen heiß und
jäh, Und mit den heißen Wellen zerrann mein heißes Weh.
Drauß' schwieg des Wetters Toben, still war's ums Haus des
Herrn; Im klaren Äther droben stand leuchtend Stern an Stern. -
Das war, sprach heimwärts trabend, ich leise vor mich hin, Der
schönste Weihnachtsabend, seitdem ich König bin."
O.Kernstock
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